Nahversorgung in kleinen Gemeinden: Florian Klein, Chef des Rewe-Großhandels, fordert ein Versprechen der Regierung ein.

Neuer Vorstoß für längere Öffnungszeiten

Nahversorgung in kleinen Gemeinden: Florian Klein, Chef des Rewe-Großhandels, fordert ein Versprechen der Regierung ein.

Exakt 348 Lebensmittelmärkte zählt Adeg in Österreich (in der Steiermark 42) – das Netz, betrieben von 190 selbständigen Kaufleuten, wuchs heuer um elf ehemalige Unimärkte (in Nieder- und Oberösterreich sowie in der Steiermark). Adeg, die Marke besteht in Österreich seit 130 Jahren, steht vor allem für die Nahversorgung in Landgemeinden.

Die weist jedoch große Lücken auf: 580 Gemeinden in Österreich haben, so besagt die jüngste RegioData-Erhebung von 2024, keine eigene Nahversorgung, in 150 Kommunen sind Adeg-Kaufleute die einzigen, bei denen man den täglichen Bedarf decken kann.

Florian Klein, Geschäftsführer des Rewe Großhandels, der Adeg mit Waren beliefert, will die „Nahversorgung in kleinen Gemeinden langfristig sichern. Mit modernen Marktformaten und digitalen Lösungen“, sagt Klein zur Kleinen Zeitung. Damit das gelingt, brauche es „faire Rahmenbedingungen“, entscheidend sei eine Liberalisierung des Öffnungszeitengesetzes.

Die geforderte Liberalisierung steht zwar im Regierungsprogramm, „doch bis jetzt hat sich nichts Entscheidendes getan“, bemerkt Klein. Unter der Marke Adeg werden österreichweit 15 so genannte Hybridmärkte betrieben, die meisten, nämlich sechs, in Kärnten. Adeg möchte das Konzept weiter ausrollen, „rund zehn Hybridmärkte sollen bis Jahresende dazukommen“, so Klein. Hybridmärkte sind nur zu den Kernöffnungszeiten mit Personal besetzt. Außerhalb dieser Zeiten funktionieren sie wie Selbstbedienungsmärkte, der Zutritt erfolgt mit Bankomatkarte, bezahlt wird an der SB-Kasse.

Diese Märkte werden gut angenommen, erklärt Klein, doch sie dürfen wie alle anderen Supermärkte maximal 72 Stunden pro Woche offen halten. Das hat Ende 2023 sogar der Verfassungsgerichtshof im Fall der Ackerboxen so festgehalten. „Wir fordern eine Gleichstellung mit den Automatenshops“, sagt Klein. Diese sind rund um die Uhr in Betrieb, ihre Zahl ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Die Regierung hat es auf der Agenda, blieb die Umsetzung bis jetzt aber schuldig.

Hybridmärkte erweitern die Erreichbarkeit für Pendlerinnen, Schichtarbeiter und Familien, argumentiert der Chef des Rewe-Großhandels, und der „persönliche Charakter des Kaufleute-Betriebs“ werde erhalten. Nicht zuletzt sind Hybridmärkte wirtschaftlicher zu betreiben, da in Randzeiten die Personalkosten sinken. Das helfe bedrohten Nahversorgern in kleinen Gemeinden. Klein: „Das Marktumfeld ist hochkompetitiv.“

Auch eine Umfrage von Marketagent (im Auftrag der Rewe) besage, dass acht von zehn Österreicherinnen und Österreicher in einem Selbstbedienungsmarkt ohne Personal einkaufen würden. 75 Prozent der Befragten seien dafür, dass SB-Märkte nach 20 Uhr und an Sonn- und Feiertagen öffnen dürfen.

Vier ehemalige steirische Unimärkte (St. Ruprecht/Raab, Anger, St. Oswald/Plankenwarth und Fernitz-Mellach), allesamt von Frauen geführt, schlüpften heuer unter das Adeg-Dach. Ein fünfter folgt am 21. Mai in Straß. „Wir haben die Schließungszeiten bewusst kurz gehalten“, erklärt Florian Klein. Das Wichtigste sei erneuert und revitalisiert worden, weitere Investitionen in die Märkte „folgen nach und nach“. Mit der bisherigen Umsatzentwicklung zeigt sich Klein sehr zufrieden, die Rückmeldungen der Kundschaft auf die Sortimente seien positiv.

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