Von Sebastian Vetter

sebastian.vetter@neue.at

In der Debatte um den Erhalt des seit März 2025 geschlossenen Bregenzer Metro Kino wird die Möglichkeit einer genossenschaftlichen Lösung laut. Konkret macht sich die Initiative „Mein Metro Kultur Kino Bregenz“ dafür stark.

Sie wurde von Roland Lang und Rahel Schoenthal ins Leben gerufen. Die studierte Betriebswirtin Schoenthal und der aus der Filmwirtschaft kommende Lang haben sich als Betreiber des im Sommer geschlossenen Hotels Honolulu als Gastronomen einen Namen gemacht, betreiben seit kurzem einen Kiosk am Fuße der Pfänderbahn und suchen nun nach einem Modell, das den Erhalt der Spielstätte in Bürgerhand sichern soll. Nicht zuletzt, da die Cineasten als mögliche Pächter für das Kino im Gespräch waren, aber auch als Bürger vom Wert des Erhalts überzeugt sind.

Bürgergenossenschaften. Zentrale Impulse kommen aus dem nahen Deutschland. Unternehmer Christian Skrodzki hat in den vergangenen Jahren mehrere Bürgergenossenschaften aufgebaut und berät inzwischen Projekte dieser Art. Ausgangspunkt war das leerstehende Bahnhofsgebäude von Leutkirchen im Allgäu, das 2010 durch eine Bürgerinitiative übernommen und finanziert wurde. „Niemand konnte sich vorstellen, dass wir eine Million Euro in einer kleinen Stadt einsammeln“, strahlt Skrodzki.

Der beste Unternehmer. Sein Modell folgt einer klaren Logik. Die Genossenschaft übernimmt den nicht rentablen Teil, also Ankauf und Sanierung eines Gebäudes. Der laufende Betrieb wird davon getrennt organisiert. „Der beste Unternehmer ist der Unternehmer“, steht für den gelernten Bankkaufmann fest. Statt selbst als Gastronom oder Kulturanbieter zu agieren, schafft die Genossenschaft die Rahmenbedingungen und vermietet zu fairen Konditionen. Finanziert wird das Ganze aus mehreren Quellen: Genossenschaftsanteile der Mitglieder, ergänzt durch Fördermittel, Spenden und Stiftungen.

Der typische Anteil liege bei rund 1000 Euro. „Das ist ein Betrag, der greifbar ist“, weiß Skrodzki. Kleinere Summen würden erfahrungsgemäß nicht ausreichen, da die meisten Beteiligten nur einen Anteil zeichnen. Gleichzeitig gibt es immer jene, die darüber hinaus investieren. Etwa Ärzte, Unternehmer oder Kulturinteressierte, die bewusst mehrere Anteile erwerben und dadurch Verantwortung übernehmen wollen.

Wert der Wertschätzung. Dem gehen Absichtserklärungen vorher. „Wenn die Genossenschaft gegründet wird, werden die Unterzeichner noch einmal gefragt. Auch davor können sie jederzeit nein sagen. Das funktioniert sehr gut. Denn deutlich mehr als 90 Prozent halten an ihrer Absicht fest.“

Dividenden sind dabei nicht ausschlaggebend. „Wegen 15 Euro pro Jahr macht da niemand mit“, stellt der Unternehmer klar. Stattdessen gehe es um Beteiligung und Sichtbarkeit. Die Anteilnehmer können sich für ihren aktiven Beitrag am kulturellen Leben rühmen und werden etwa in Leutkirch namentlich auf einer Steintafel verewigt. „Wertschätzung ist extrem wichtig.“

Richtiger Zeitpunkt. So auch das Gefühl für den richtigen Moment. „Dynamik erzeugt man nur einmal.“ Ein Satz, der im Kontext des Metro Kino fast wie eine Warnung wirkt. Denn während das Modell in der Theorie klar umrissen ist, entscheidet sich seine Umsetzbarkeit in der Praxis an Timing und Vertrauen. Zusätzlich kann das, was im Allgäu funktioniert, auch nicht direkt auf Bregenz übertragen werden. Lang und Schoenthal sind sich dessen bewusst. „Man muss gut vorbereitet sein. Wir glauben aber, dass für ein emotional bedeutsames Projekt wie der Erhalt eines Kinos die Genossenschaft das richtige Mittel ist. Es ist eine Unternehmensform, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt“, bekräftigt Lang.

Filmbranche. Der gebürtige Bregenzer studierte Regie und Drehbuch an der Filmhochschule in Ludwigsburg. Er kennt die Branche nicht nur aus theoretischer Perspektive. In Deutschland arbeitete Lang unter anderem mit Produzenten wie Artur Brauner und Schauspielern wie Dieter Hallervorden zusammen. Wie lebendig diese Kontakte noch sind, wurde bei der Honolulu-Abschiedsfeier deutlich. Schließlich waren dort die Schauspieler Trystan Pütter (Unsere Mütter, unsere Väter) und Volker Bruch (Babylon Berlin) als Freunde des Paars zu Gast.

Kein Wunschkonzert. Metro-Eigentümer Lukas Pasi zeigt sich offen für die Idee einer Genossenschaft: „Grundsätzlich befürworte ich alles, was das Haus erhält. Dass sie mit ihrer Idee zu mir gekommen sind, hat mich sehr gefreut. Auch wenn der Ausgang ungewiss ist, könnte es ein Leuchtturm-Projekt werden, das anderen Initiativen ein Vorbild sein könnte.“

Naturgemäß kennt der Eigentümer die anstehenden Hürden. Das in den 1950-Jahren errichtete Gebäude sollte grundlegend saniert werden und auch untertags als Gaststätte funktionieren. Damit rückt ein Punkt in den Vordergrund, den auch Skrodzki betont: Die Genossenschaft kann den Rahmen schaffen, aber sie ersetzt kein funktionierendes Betriebskonzept. Kino, Gastronomie und Veranstaltungen müssten zusammen gedacht werden, aber wirtschaftlich selbst tragen. Eine Genossenschaft sei „kein Wunschkonzert“, sondern müsse „noch genauer auf die Finanzen schauen als ein klassisches Unternehmen“. Wie es mit der Initiative weitergeht, wird sich zeigen.

„Niemand konnte sich vorstellen, dass wir eine Million Euro in einer kleinen Stadt einsammeln.“

Christian Skrodzki, Genossenschafts-Experte

„Dass sie mit ihrer Idee zu mir gekommen sind, hat mich sehr gefreut. Auch wenn der Ausgang ungewiss ist, könnte es ein Leuchtturm-Projekt werden, das anderen Initiativen ein Vorbild sein könnte.“

Lukas Pasi, Eigentümer des Metro Kino, Bregenz

„Man muss gut vorbereitet sein. Wir glauben aber, dass für ein emotional bedeutsames Projekt wie der Erhalt eines Kinos die Genossenschaft das richtige Mittel ist.“

Roland Lang, Mitinitiator „Mein Metro Kino Kultur Bregenz“

„Niemand konnte sich vorstellen, dass wir eine Million Euro in einer kleinen Stadt einsammeln.“

Christian Skrodzki, Genossenschafts-Experte

„Dass sie mit ihrer Idee zu mir gekommen sind, hat mich sehr gefreut. Auch wenn der Ausgang ungewiss ist, könnte es ein Leuchtturm-Projekt werden, das anderen Initiativen ein Vorbild sein könnte.“

Lukas Pasi, Eigentümer des Metro Kino, Bregenz

„Man muss gut vorbereitet sein. Wir glauben aber, dass für ein emotional bedeutsames Projekt wie der Erhalt eines Kinos die Genossenschaft das richtige Mittel ist.“

Roland Lang, Mitinitiator „Mein Metro Kino Kultur Bregenz“
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