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Job verloren? Sofort weiterbilden

Auch wenn die Arbeitslosenzahlen leicht zurückgehen, sind doch noch immer sehr viele Menschen ohne Job. Das AMS empfiehlt, neben der Stellensuche sofort Weiterbildungsmaßnahmen zu ergreifen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die sehr individuell angepasst werden können.

Von Susanne Geißler

susanne.geissler@neue.at

Es werden weniger. Doch im August waren immer noch um 39,9 Prozent mehr Menschen arbeitslos gemeldet als im gleichen Monat des Vorjahres. Noch knapp über 32.300 Personen befinden sich in Kurzarbeit. Als Reaktion auf die prekäre Situation auf dem Arbeitsmarkt wurde von Land und Arbeitsmarktservice (AMS) das Budget erhöht, Förderungen wurden aufgestockt. Das AMS vollzog aber auch einen strategischen Wandel, Arbeitsmarktprogramme wurden angepasst. „Früher haben wir uns bei neuen Kunden zunächst voll auf die Vermittlung konzentriert“, erzählt Bernhard Bereuter, der Leiter des AMS Vorarlberg. „Und erst wenn sich nach etwa drei Monaten keine Stelle fand, haben wir gesucht, wie wir die Betroffenen in Weiterbildungsfragen unterstützen können.“ Wenn Hochkonjunktur herrsche, brauche es vonseiten des AMS keine Investition in Qualifizierungen, denn der Markt sauge die passenden Bewerber einfach ab.

Sofort weiterbilden. Nun aber wird den Arbeitssuchenden vom ersten Tag der Arbeitslosigkeit an empfohlen, sich nicht nur nach einer neuen Stelle umzusehen, sondern parallel dazu sofort in die Weiterbildung zu investieren. „Im Idealfall absolviere ich eine Weiterbildung und finde schon währenddessen ein Stellenangebot. Durch die Teilnahme oder gar den Abschluss habe ich völlig andere Voraussetzungen als andere Bewerber, kann mich also eher durchsetzen als sie. Durch das Mehr an Ausbildung komme ich außerdem für viel mehr potenzielle Stellen in Frage“, erläutert der Experte.

Individualförderung. Individualförderung heißt das neue Stichwort. Weiß ein Betroffener schon ungefähr, was er tun und in welche Richtung er gehen möchte, kann er sich selbst nach einer Weiterbildungsmöglichkeit, egal ob beim WIFI, der Arbeiterkammer, den Volkshochschulen oder einem anderen Bildungsanbieter, umsehen und diese dem AMS vorschlagen. Macht die Ausbildung Sinn, übernimmt das AMS die Kurskosten. Wer nicht weiß, wie es weitergehen soll, wird beraten.

Nach wie vor gibt es Bewerbungstrainings oder Berufs­orientierungskurse. „Beim Bewerbungstraining wird dabei unterstützt, Bewerbungsunterlagen zu erstellen und dergleichen“, erläutert der Experte. Bei der Berufsorientierung geht es um das Finden von Perspektiven. „Oft auch um Perspektiven­erweiterung, weil Personen häufig mit bestimmten Bildern kommen, die so gar nicht stimmen, oder sie viele Faktoren gar nicht in Betracht ziehen“, sagt Bereuter.

Modelle für alle. „Für jeden gibt es ein Modell, das sie oder ihn dahin bringt, dass er für den Arbeitsmarkt besser qualifiziert ist“, betont der Fachmann. Jugendliche werden bei der Suche nach betrieblichen Lehrstellen unterstützt. Klappt eine Vermittlung zum Beispiel aufgrund schulischer Defizite nicht, gibt es die Möglichkeit der Lehrstellenförderung. Ein Unternehmen bekommt also eine Förderung, wenn es einen benachteiligten Jugendlichen aufnimmt. Ein Auffangnetz, falls auch dieser Weg versperrt ist, sind die überbetrieblichen Ausbildungszentren. Jugendliche können dort in einen Lehrberuf einsteigen mit dem Ziel, nach dem ersten Ausbildungsjahr in eine betriebliche Lehre zu wechseln. Sie werden pädagogisch, aber auch durch Sozialarbeiter unterstützt. „Damit sie eine gewisse Stabilität erfahren. Unserer Erfahrung nach brauchen die meisten ein Jahr, bis eine gute Basis geschaffen ist, dass sie in eine betriebliche Lehre einsteigen können“, berichtet Bereuter. Ein noch niederschwelligeres Programm zur Vorbereitung auf die Berufsschul-Reife heißt „AusbildungsFit“. Hier sollen die Betroffenen eine gute Basis in Richtung Lehrabschlussprüfung bekommen. Auch ältere Personen, die maximal einen Pflichtschulabschluss besitzen, werden dahingehend unterstützt, dass sie eine formale Höherqualifizierung erreichen. Es gibt spezielle Angebote für Personen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, über 50-Jährige oder Frauen, wie zum Beispiel „FiT“ – Frauen in Handwerk und Technik. „Hier geht es in hohem Maße wieder um Perspektivenerweiterung“, erläutert Bereuter. Frauen und Mädchen sollen Berufe nähergebracht werden, an die sie im ersten Moment nicht denken. Ergreifen sie eine Ausbildung in einem dieser Berufe oder bilden sie sich in diesen Bereichen weiter, wird das gefördert. Frauenberatungszentren (FBZ) sind bei der Karriereplanung oder beim Wiedereinstieg etwa nach der Karenz behilflich.

AQUA. Etwas, das Bereuter derzeit besonders forciert, sind Stiftungsmodelle der sogenannten „arbeitsplatznahen Qualifizierung“ (AQUA). „Eine Firma findet zum Beispiel keinen Bewerber mit den benötigten Qualifikationen. Es gibt aber jemanden, der von den persönlichen Voraussetzungen her gut zu ihr passt. Dann ermöglicht dieses Modell dieser Person, die fehlenden Qualifikationen, ja sogar einen Ausbildungsabschluss, nachzuholen“, erklärt er. Der Firma entstehen während dieser Zeit noch keine Kosten, denn die Person bekommt Stiftungsarbeitslosengeld. Teilweise auch ein Stipendium. „Das Gute ist, dass Theorie und Praxis gleichzeitig erfahren werden, es ist dual. Es ist für beide Seiten ein Gewinn. Für den Jobsuchenden, weil er schon eine Stelle in Aussicht hat, und für das Unternehmen, da es bedarfsgerecht ausbilden kann. Das sind gute Modelle“, ist Bereuter überzeugt.

Ein hilfreiches Orientierungs-Tool ist das Berufsinformationssystem (BIS) des AMS. In eine Maske am Computer kann ein Beruf eingeben werden, die Suche wirft aus, welche Kompetenzen in diesem Tätigkeitsfeld häufig nachgefragt werden. „Das kann zeigen, ob der Beruf für den Betreffenden interessant sein könnte“, sagt Bereuter. Außerdem wird aufgelistet, ob und wieviele freie Stellen es in diesem Bereich gibt.

<p class="caption">Es lohnt sich, sofort eine Ausbildung anzufangen, rät Bernhard Bereuter (oben).</p><p class="credit"> BFI, Dietmar Stiplovsek</p>

Es lohnt sich, sofort eine Ausbildung anzufangen, rät Bernhard Bereuter (oben).

 BFI, Dietmar Stiplovsek

<p class="caption">Mario Prünster.</p><p class="credit"> BFI</p>

Mario Prünster.

 BFI

<p class="caption">Thomas Wachter. WIFI</p>

Thomas Wachter. WIFI

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