Verdacht auf Wolfsattacke im Bregenzerwald

Beim Thema Wolf gehen zwischen Landwirtschaftskammer und WWF die Wogen hoch. AFP

Beim Thema Wolf gehen zwischen Landwirtschaftskammer und WWF die Wogen hoch. AFP

Auf Vorsäßen im Mittelbregenzerwald wurden mehrere Schafe gerissen. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich dabei um einen Wolf handelt. Die DNA-Analyse steht noch aus.

Im Bregenzerwald hat am Wochenende offenbar ein Wolf mehrere Schafe gerissen und eines schwer verletzt. Eine Bestätigung durch eine DNA-Analyse stand zwar noch aus, nach dem vorgefundenen Schadbild liegt der Verdacht nach Angaben des Landeswildbiologen Hubert Schatz aber nahe, dass es sich um Wolfsrisse handelt. Die gezogenen Proben würden gerade untersucht.

Die Schafe wurden auf zwei Vorsäßen im Mittelbregenzerwald getötet. „Endgültig bestätigt werden kann die Einschätzung, dass ein Wolf die Tiere gerissen hat, erst nach Vorliegen der Ergebnisse der genetischen Untersuchungen“, sagte Schatz. Die Analysen werden am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität in Wien durchgeführt. Der Einschätzung von Schatz zufolge hält sich ein einzelner Wolf bevorzugt im Großraum Sibratsgfäll-Hittisau-Balderschwang-Hirschgunttal (Grenzgebiet Bregenzerwald/Allgäu) auf. Aus dem Vorjahr liegen zwei genetisch bestätigte Risse in Hittisau und Schönebach vor. Zudem sei es im Herbst in Hittisau einem Jäger gelungen, mit Hilfe einer Wildkamera einen Wolf zu fotografieren, so der Wildbiologe.

Entschädigung für Landwirte. Betroffene Landwirte werden entschädigt, erklärte der zuständige Landesrat Christian Gantner (ÖVP). Das weitere Vorgehen finde nun nach dem gemeinsam festgelegten ‚Aktionsplan Wolf‘ statt. Vorrangiges Ziel sei es, weitere Schäden möglichst zu verhindern. Die Bewirtschaftenden der benachbarten Vorsäße und Alpen werden ersucht, die Weidetiere möglichst genau zu beobachten und in der Nacht an gesicherten Plätzen unterzubringen, so Gantner. Die Verantwortlichen der Hegegemeinschaft sowie Jäger des Gebietes sind dazu aufgerufen, allfällige relevante Beobachtungen an den Wildbiologen weiterzuleiten.

Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger (ÖVP) forderte unterdessen den Abschuss des Tieres. „Mit dem Auftreten des Wolfes ist die Weidetierhaltung massiv gefährdet. Gerade im heurigen Jahr, in dem viele zu Erholungszwecken in der freien Natur unterwegs sind, zeigt sich wie wichtig die flächendeckende Bewirtschaftung ist. Die wirtschaftliche Situation für die Weidewirtschaft ist schon schwierig genug, mit dem Auftreten des Wolfes wird sie zunehmend verunmöglicht. Die Landwirte brauchen Antworten. In dieser Form wird sich das keine Bäuerin und kein Bauer mehr antun können. Diese grausamen Fälle zeigen, obwohl in direkter Siedlungsnähe und trotz bester Herdenschutzmaßnahmen, lässt sich der Wolf nicht abwehren.

Ich fordere daher, dass sofort reagiert wird und die Behörde für diesen Wolf einen Abschussauftrag erteilt“, wird der Präsident in einer Aussendung der Landwirtschaftskammer zitiert.

WWF kritisiert Moosbrugger. Kein Verständnis für die Aussagen Moosbruggers hat Christian Pichler, Wolfsexperte der Naturschutzorganisation WWF: „Populistische Abschussforderungen zielen vollkommen ins Leere und stellen keine Hilfe für betroffene Weidetierhalter dar. Einerseits sind Wölfe europaweit streng geschützt. Andererseits ist gerade Vorarlberg umgeben von Ländern mit weit größeren Wolfspopulationen. Es werden beispielsweise immer wieder Individuen aus der Schweiz durchstreifen, für die ungeschützte Nutztiere eine leichte Beute darstellen. Verstärk­ter Herdenschutz ist also alternativlos. Bäuerinnen und Bauern brauchen dabei die volle Unterstützung der Politik“, reagiert der Tierschützer.

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