Corona

Vorarlberger Scheidungsanwälte bemerken erhöhte Nachfrage

Auf Termine für Gerichtsverhandlungen dürften Scheidungswillige nun eine Zeit lang warten müssen. Doch bei weitem nicht alle Beziehungen sind durch die Krise gefährdet.

Das Coronavirus greift nicht nur die Gesundheit an, auch Beziehungen können darunter leiden. Ob sich die Zahl an Scheidungen heuer erhöht, wird sich erst weisen. Die Präsidentin der Rechtsanwaltkammer Vorarlberg und Scheidungsanwältin Birgitt Breinbauer bemerkt jedoch eine erhöhte Nachfrage. „Ich habe festgestellt, dass sich jüngst die Anfragen für Besprechungen im Zusammenhang mit Scheidungen häufen. Nachdem es nach dem 13. März für circa zwei bis drei Wochen ruhiger geworden ist, ist jetzt sehr viel zu tun“, informiert Breinbauer.

Sie selbst hat den Normalbetrieb schnell wieder eingeführt, weil es für derart emotionale Themen nach ihrer Einschätzung persönlichen Kontakt braucht. Lediglich zwei Wochen hatte sie ausschließlich telefonischen Kontakt mit Klienten. Während des Lockdowns würden keine Scheidungen durchgeführt. Auf Termine für Gerichtsverhandlungen dürften Scheidungswillige nun lange warten müssen.

Besonders schlimm ist es wohl für jene, die gerade noch vor dem 13. März eine Klage eingebracht hatten. Denn die wegen der Corona-Krise auf Notbetrieb beschränkten Gerichte haben einen Rückstau abzubauen. Erschwerend dürfte hinzukommen, dass Familienrechtssachen normalerweise in kleinen Zimmern verhandelt werden und nun aufgrund der einzuhaltenden Abstände wohl in größere Säle verlegt werden müssten.

Denn: Die Anwesenheit beider Parteien vor dem Gericht ist grundsätzlich vorgesehen. Immerhin ist der Einsatz von Videotechnologie für die Einvernahme in Zivilverfahren mit einer Novelle des Corona-Maßnahmengesetzes erweitert worden. Das bestätigt auch Gerichtssprecher Norbert Stütler. Breinbauer selbst hatte diesen Fall aber noch nie.

Die Scheidungsanwältin hat trotz erhöhter Nachfrage nicht den Eindruck, dass allein die Corona-Krise zu verstärkten Schwierigkeiten in Ehen führte. „Allerdings kann man sich in diesen Zeiten schlecht aus dem Weg gehen. Ein Problem, wenn es vorher schon schwierig war“, vermutet sie.

Stabile nicht gefährdet. Und tatsächlich waren bei weitem nicht alle Beziehungen durch die Ausgangsbeschränkungen gefährdet. „Die Corona-Krise stellt sicher hohe Anforderungen an Paare. Bei Beziehungen, die instabil oder belastet sind, ist es wesentlich schwerer, die Partnerschaft zu halten. Das gilt auch für die einzelne Person. Für Menschen, die instabil, belastet oder stressbesetzt sind und mit Gefühlen und Empfindungen Probleme haben, ist eine solche Krise schwerer zu bewältigen, als für andere“, erklärt Gernot König, Psychotherapeut mit Praxis in Dornbirn.

Es gebe Paare, die die Corona-Krise entzweit. Es gebe aber auch Paare oder Familien, die stärker zusammenhalten und in der Beziehung eine andere Ebene erreichen, die Bindung intensiver und somit auch die Resilienz der Paarbeziehung gestärkt würden. „Wenn eine Beziehung wirklich harmonisch und haltend ist, kann keine Krise die Beziehung zerstören“, meint König.

Damit es bei zu viel Nähe nicht zur Eskalation kommt, rät er, dem anderen Freiräume zu geben, Abmachungen zu treffen, den Tag zu strukturieren und Abläufe gemeinsam zu besprechen. Hilfreich kann es sein, wenn sich ein Paar dann professionelle Hilfe holt, wenn es nicht mehr weiter weiß. Es können dann Lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden. „Und wenn das nicht mehr geht, kann ein für beide guter Trennungsweg gefunden werden“, weiß König.

Ob in ein paar Monaten die Scheidungs- oder Geburtenrate steigt, ist jetzt also noch nicht abzusehen. Wünschenswert wäre wohl letzteres.

Danielle Biedebach

danielle.biedebach@neue.at

<p class="caption">Corona-Krise als Zerreißprobe für Beziehungen?  Shutterstock</p>

Corona-Krise als Zerreißprobe für Beziehungen?  Shutterstock

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