Alge profitiert von Krisenerfahrungen

Bei Alge Electronic in Lustenau haben die Verantwortlichen aus einer Krise Lehren gezogen, die der Firma jetzt zu Gute kommen.   Hartinger

Bei Alge Electronic in Lustenau haben die Verantwortlichen aus einer Krise Lehren gezogen, die der Firma jetzt zu Gute kommen.   Hartinger

Eine Wirtschaftskrise als Auslöser für Veränderungen: Jetzt bietet der Fertiger elektronischer Bauteile auch den reinen Prototypen-Bau an. Im Jänner 2020 wurde Marc Alge zum zweiten Geschäftsführer des Familienunternehmens bestellt.

Von Günther Bitschnau, wpa

neue-redaktion@neue.at

Z u Beginn der 2000er-Jahre steckte die Alge Electronic GmbH, wie berichtet, in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und arbeitete sich in den Jahren darauf wieder in die schwarzen Zahlen zurück. Die damaligen Erfahrungen sind angesichts der heraufdämmernden Wirtschaftskrise jetzt von Vorteil. „Wir hätten nicht gedacht, dass uns diese schwere Zeit auch einmal einen direkten Nutzen bringen wird“, so der geschäftsführende Gesellschafter Dietmar Alge und sein Sohn Marc Alge im Gespräch.

Denn man habe den Umgang mit einer Krisensituation gelernt. Wenn es eine Regel für sein Unternehmen in schweren Zeiten gebe, dann: „Liquidität, Liquidität und nochmals Liquidität sichern. Runter mit den Kosten und das Geschäftsmodell konsequent hinterfragen. Und nicht hoffen, dass es von alleine besser wird.“ All diese Vorsätze habe Alge Electronic bereits in den ersten Wochen der Covid-19-Pandemie in Österreich beherzigt.

Keine Kurzarbeit. So habe man über diverse Fördermittel und das Abrufen von Garantien die Liquidität des Unternehmens in ausreichendem Umfang sichergestellt. Zudem wurden die Kos­ten wo immer möglich gesenkt, wobei es bislang nur geringe Auswirkungen auf den Personalstand gegeben habe. Aktuell beschäftigt Alge Electronic 47 Mitarbeiter (im Jänner 2019 waren es 53). Kurzarbeit wurde bislang weder eingeführt noch beantragt. Dabei soll es auch bleiben. Darüber hinaus seien alle wichtigen Kunden versichert. „Bis zu 80 Prozent des Auftragsvolumens sind gedeckt.“

Bau von Prototypen. Zudem hat der Fertigungsbetrieb für elektronische Bauteile (EMS Electronics Manufacturing Service) sein Geschäftsmodell hinterfragt und im Zuge dessen um die Entwicklung und den Bau von Prototypen erweitert. „Das bewerkstelligen wir binnen vier Wochen nach den Vorstellungen des Auftraggebers.“ Zu den Kerngeschäftsbereichen zählt jetzt neben der Bestückung und der Montage sowie der Entwicklung von elektronischen Bauteilen also auch der Prototypen-Bau. Dennoch wird das Unternehmen im 50. Jahr des Bestehens die Auswirkungen der Krise zu spüren bekommen.

Schwarze Zahlen. „Wir rechnen aktuell heuer mit einem Umsatz von etwa sieben Millionen Euro. Das wäre ein Minus von rund 13 Prozent“, so Dietmar Alge und Marc Alge, der per 1. Jänner 2020 zum zweiten Geschäftsführer bestellt wurde. Trotzdem werde das Unternehmen aller Voraussicht nach auch heuer schwarze Zahlen schreiben.

Die Abrufungen aus den bestehenden Rahmenverträgen der Kunden würden derzeit eher „an der Unterkante“ liegen. Das gelte für fast alle Bereiche wie Medizintechnik, Agrartechnik, Verkehrstechnik sowie den Messmittelbereich. „Das dritte Quartal 2020 bewegt sich deutlich unter dem Vorjahresquartal. Aber das vierte Quartal liegt gemäß Bestellungen deutlich höher als im Vorjahr.“ Es scheine, als ob viele Kunden die Sommermonate vergehen lassen wollen, um danach wieder verstärkt tätig zu werden und das stimmt positiv. Denn: „Die Nachfrage am Markt ist da.“

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