Aus dem Gerichtssaal

Von Jörg Stadler
joerg.
stadler@neue.at

Sie tranken und sie schlugen sich

Paar aus dem Unterland wegen schwerer Körperverletzung vor Gericht. Alkohol ließ Beziehungskonflikte eskalieren.

Ein Paar aus dem Unterland musste sich gestern wegen schwerer Körperverletzung vor dem Landesgericht Feldkirch verantworten. Die Staatsanwaltschaft legte den beiden zur Last, sich seit mehreren Jahren immer wieder gegenseitig geschlagen und schwer verletzt zu haben. Beide Beschuldigte machten keine Aussagen vor Gericht. Am Ende gab es einen Schuld- und einen Freispruch.

Das Paar, das nach wie vor zusammenlebt, saß gestern stoisch auf der Anklagebank. Er: 53 Jahre alt, Italiener, ein kräftiger Maurer in Holzfällerhemd und Bikerstiefeln. Sie: 51 Jahre, eher zierlich und in einem Sozialberuf tätig. Beide dürften dem Alkohol nicht abgeneigt sein. Und der Alkohol ließ die Streitigkeiten zwischen den beiden offenbar immer wieder eskalieren – zumindest geht dies aus den der Anklage zugrundeliegenden Polizeiberichten und Einvernahmeprotokollen hervor. Demnach soll der Mann seine Freundin unter anderem gewürgt, „durch die Wohnung geworfen“ und „den Kopf ins Gesicht gerammt haben“. Im Zuge eines weiteren Streits habe er die Frau „über eine Mauer geworfen“, was unter anderem einen Riss des Seitenbands am Knie und eine Gesichtsprellung nach sich zog. Der Frau wiederum wurde vorgeworfen, ihrem Partner mit dem Knie gegen die Nase getreten und ihn am Rücken verletzt zu haben. Befragt wurde denn auch eine Freundin der Angeklagten. Sie war zwar bei einem Vorfall dabei, konnte sich gestern aber nur noch schemenhaft an die Auseinandersetzung erinnern.

Urteil. Den Angaben, die der Mann vor der Polizei gemacht hatte, schenkte Richter Martin Mitteregger keinen Glauben und sprach dessen Freundin frei. Der bislang unbescholtene Italiener wurde wegen schwerer Körperverletzung zu einer bedingten Haftstrafe von fünf Monaten und zu einer unbedingten Geldstrafe in der Höhe von 3600 Euro verurteilt.

Richter Mitteregger empfahl dem Paar, eine Therapie in Anspruch zu nehmen. „Wenn sie weiterhin in einer Beziehung leben wollen, muss sich was ändern. Sonst müssen sie sich trennen. Gewalt ist jedenfalls keine Lösung.“ Der Angeklagte nahm Bedenkzeit, die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit noch nicht rechtskräftig.

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