Corona: Droht Sommer ohne Gäste?

Bayern ändert ab Montag die Einreiseregelungen. Hartinger

Bayern ändert ab Montag die Einreiseregelungen.

 Hartinger

Der Tourismus steht vor einem schwierigen Sommer. Ein Debakel soll mit aller Kraft verhindert werden.

Von Georg Widerin

georg.widerin@neue.at

Geht es nach den Plänen der Bundesregierung, darf die Hotellerie in Österreich am 29. Mai wieder aufsperren. Das freut die Branche. Aber Jubelstimmung kommt trotzdem nicht auf. Zudem hat Deutschland die Reisewarnung für das Ausland bis 14. Juni verlängert. Das ist ein zusätzlicher Dämpfer für den heimischen Tourismus. Allein die Gäste aus Baden-Württemberg und Bayern machen über 50 Prozent aus.

„Ohne diese beiden deutschen Bundesländer ist es fast unmöglich, aufzumachen. Das wird ein wirtschaftliches Debakel“, betont Elmar Herburger von der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Die Tourismusbranche, und da vor allem die Gastronomie und die Hotellerie, waren von den harten Maßnahmen der Corona-Krise am meisten betroffen. Es hängen hier immer noch viele Existenzen förmlich in der Luft. Zudem ist die allgemeine Verunsicherung hoch. Einerseits wegen der Angst vor dem Virus. Andererseits herrscht nach wie vor Ungewissheit über die konkreten gesetzlichen Vorgaben und Rahmenbedingungen.

Hoffnung. Man kann derzeit nur hoffen, dass sich die Virus-Lage noch weiter beruhigt und die Reisewarnung abschwächt oder doch verkürzt wird. „Das wird lange dauern, bis wir wieder in die Gänge kommen und ähnliche Umsätze machen wie in den Vorjahren“, ergänzt Herburger. Für Hotels und Saisonbetriebe wird es irrsinnig schwer, das wirtschaftlich vernünftig durchzustehen. Da die Menschen derzeit noch keine Urlaube buchen, herrscht null Planungssicherheit. „Es wird damit zu rechnen sein, dass viele Betriebe keine Auslastung zusammen bekommen“, so Herburger weiter.

Es müsse die Möglichkeit geben, dass einige Saisonbetriebe zu lassen können und sie monetär unterstützt werden. Ansonsten werde sich das für die meisten wirtschaftlich nicht ausgehen. Und es brauche Maßnahmen, diese Verluste abzufedern. Erst wenn das garantiert sei, könne man auch in Investitionsschritte kommen und das nachgelagerte Gewerbe und der Handel könnten wieder partizipieren.

Familienbetriebe. „Das sieht das Land genauso. Wir sind in permanenter Absprache mit dem Landeshauptmann und auch mit dem Bund“, ergänzt Herburger. „Wenn wir da keine praktikable Lösung finden, brechen uns die Familienbetriebe der Reihe nach weg“, so Herburger.

Es ist auch gut vorstellbar, dass einige Betriebe erst Anfang Juli oder gar noch später aufsperren, wenn sich alles noch mehr beruhigt hat. Dann werden sich die Menschen vielleicht auch wieder mehr trauen, zu reisen. „Die gesetzlichen Bestimmungen sind das eine. Aber es muss auch eine gewisse Sicherheit bei den Gästen da sein. Damit sie entspannt ein paar Tage im Ländle verbringen können“, so Herburger weiter.

Gemeinsam mit dem Vorarlberg Tourismus versucht man vonseiten der WKV, mit konkreten Konzepten und gezielten Maßnahmen mehr heimische Gäste in den Westen zu locken, „Wir haben 13 Prozent österreichische Gäste in Vorarlberg. Wir sind halt geografisch etwas ab vom Schuss. Aber da heuer viele Österreicher Urlaub im eigenen Land machen werden, müssen wir dieses Potenzial nützen“, gibt sich Herburger kämpferisch. „Wenn ich optimistisch bin, dann gehen spätestens bis Ende Juni die Grenzen nach Deutschland und zur Schweiz wieder auf“, ergänzt der Tourismusfachmann.

„Es werden dann nur die zehn bis 15 Prozent der Betriebe zusperren müssen, die schon vor Corona zu kämpfen hatten“, prognostiziert Herburger.

Aber alle werden finanzielle Hilfen brauchen. Und das längerfristig. Denn in diesen Zeiten sind Zuversicht und Hoffnung auf Besserung mitunter ein rares Gut. „Wir müssen den Unternehmern eine Perspektive geben, damit sie wieder die Ener­gie aufbringen, an die Zukunft zu glauben. Denn im Moment denkt jeder: Wie schaff’ ich es überhaupt, die nächsten paar Wochen zu überstehen?“

„Prinzipiell sind wir froh, dass wir Ende Mai aufsperren können. Wenn auch mit vielen Fragezeichen.“

Elmar Herburger, Vorarlberger Wirtschaftskammer
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