Denkzettel

Trump in Wien

Die Wiener ÖVP hängte sich ans Telefon und bot Wahlberechtigten an, für sie eine Briefwahlkarte zu beantragen. Das kann man taxfrei als ziemlich patscherte Aktion qualifizieren. Denn die Wahlbehörde sieht darin einen ungesetzlichen Vorgang, und so mussten die Wahlkämpfer hochnotpeinlich zurückrudern. Alles in allem also ein Flop, den man den erfolgsverwöhnten Überfliegern der neuen, türkisen ÖVP schon gar nicht mehr zugetraut hätte.

Doch dann ging es erst so richtig los. Die Konkurrenz sprang sogleich, aufs Höchste alarmiert und aufs Tiefste erschüttert, im Interesse der Demokratie auf die Barrikaden: Betroffen vom „unfassbaren Demokratieskandal“ zeigte sich die FPÖ, und die Neos setzten noch eins drauf: Die ÖVP versuche „mit Trump-Methoden“, die Wahl zu beeinflussen.

Und so begab es sich, dass die unnötige Aktion am Ende doch noch hilfreich ist für die ÖVP: Die Partei, in Wien lange Jahre nur eine harmlose Splittergruppe, ist wieder wer. Denn plötzlich hält es die Konkurrenz für nötig, sich im Wettstreit mit den Türkisen lächerlich zu machen. Ernst Sittinger

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