Von Mensch zu Mensch

Wenn Glocken an verhungernde Kinder erinnern

Wundern Sie sich nicht, wenn Freitagnachmittag plötzlich die Glocken minutenlang wie wild läuten.

Es ist ein Weckruf. Fünf Minuten lang werden am Freitag um 15 Uhr in ganz Österreich die Glocken läuten. Sie läuten für Millionen hungernde Kinder, für Hunderte Millionen Frauen und Männer. Und sie werden an jene über drei Millionen Kinder unter fünf Jahren erinnern, die letztes Jahr an den Folgen von Unterernährung sterben mussten. Mussten sie? Nein, es müssten nicht jedes Jahr Millionen Kinder sterben, wenn Regierungen in Entwicklungsländern weniger korrupt wären, das Bevölkerungswachstum in Afrika eingedämmt würde oder wenn nicht billige landwirtschaftliche Produkte der Industriestaaten, die mit Milliarden gefördert werden, die Produkte der kleinen Bauern vor Ort konkurrenzieren würden. Oder wenn jene unvorstellbaren 1,3 Milliarden Tonnen an Lebensmitteln, die die Wohlstandsgesellschaften jedes Jahr in den Müll werfen, auf die Esstische der über 800 Millionen Unterernährten umgeleitet werden könnten.

Es gibt viele „wenn“, die einem während des Glockenläutens durch den Kopf gehen können. Die Glocken könnten aber auch anderes relativieren. Wie die Aussage, dass sich 29 Prozent der EU-Bürger noch immer keinen einwöchigen Urlaub leisten können, in Österreich sind es übrigens nur 13 Prozent. Woran solche Statistiken angesichts Millionen unterernährter Kinder und der Warnung der WHO vor einem coronabedingt noch größeren Ernährungsnotstand erinnern? An ziemlich luxuriöse Wohlstandsfragen.

Für eine Spende von 20 Euro, rechnet die Caritas vor, könne eine Familie in Afrika einen Monat lang ernährt werden. Ob die vielen „wenn und wenn nicht“ oder das Gefühl der Ohnmacht im Kampf gegen den Hunger ein Grund sein können, nicht selbst aktiv zu werden und zu helfen? Natürlich können sie, aber sie sollten es nicht.

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